Industrieerfahrung
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Meine erste große Herausforderung nach Abschluss des Studiums 1986 bestand darin, gemeinsam mit einem Kollegen (Ingenieur der Elektrotechnik) für die Firma KUHNKE, ein norddeutscher Hersteller von Automatisierungskomponenten, in knapp fünf Monaten ein Kommunikationssystem zur Vernetzung Speicherprogrammierbarer Steuerungen zu entwickeln.

Auf der Basis eines Standard-Microcontrollers der Firma INTEL galt es, ein geeignetes Kommunikationsprotokoll zu entwerfen und die Steuerungssysteme sowohl hardware- als auch softwaretechnisch anzukoppeln. Heute werden solche im industriellen Bereich eingesetzten Kommunikationssysteme als Feldbusse bezeichnet. Unser KUHNKE-Industrienetz KIN, das 1987 auf der Hannovermesse erstmals präsentiert wurde, kann somit sicherlich als Pionierarbeit auf diesem Gebiet betrachtet werden.

 

 

Den größten Anteil meiner Industriezeit machte die Zusammenarbeit mit dem seinerzeit weltweit größten Hersteller von Textilmaschinen der Firma SULZER aus. In den fast drei Jahren meiner Tätigkeit für diese Firma ist insbesondere der Aspekt des Zusammenwirkens von Mechanik und Elektronik/ Informationstechnik - heute unter dem aktuellen Schlagwort "Mechatronik" zusammengefasst - in den Mittelpunkt meines Tätigkeitsspektrums gerückt.

Erst nach einiger Zeit wurde mir die Brisanz des Zusammentreffens der ältesten Produktionstechnik der Menschheit (des Webprozesses) mit unserer heutigen Informationstechnik bewusst - ein Spannungsfeld, das mich sehr geprägt hat. Meine Erfahrungen, die ich in dieser Zeit sammeln konnte, waren sicherlich mit ein Grund dafür, dass Prof. Bender mir dann 1992 das Angebot machte, mit ihm nach München an die TU zu wechseln, um einen neuen Lehrstuhl für Informationstechnik im Maschinenwesen aus der Taufe zu heben, der sich genau in diesem Spannungsfeld bewegen sollte. Auch wenn ich heute als Universitätsprofessor in der Fakultät für Informatik der Universität der Bundeswehr wieder in mein ursprüngliches Studienfach Informatik zurück gekehrt bin,  so ist mein wissenschaftliches Wirken im Rahmen meiner Professur für Methoden und Werkzeuge für integrierte Anwendungen sowohl in der Lehre als auch in der Forschung nach wie vor anwendungs- und industrieorientiert.

 

Das Bild der Schweizer Firma SULZERTEXTIL zeigt den so genannten Schusseintritt bei einer Projektilwebmaschine, bei dem das Projektil gerade den Schussfaden - das ist der Querfaden, der mit den Längsfäden der Kette verwoben wird - durch die Öffnung (das sog. Fach) zieht. Die extrem hohen Leistungen solcher Maschinen können nur durch modernste Informations- und Automatisierungstechnik realisiert werden.

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